Die für Jungen gedachten Shirts setzen Männer direkt in Machtpositionen mit Sprüchen wie ‘’future boss’’ oder ‘’lock up your daughters’’ und sprechen meistens die Fähigkeiten oder Chancen von Männern in unserer Welt an. Ganz schön viel Druck, oder? Wohingegen sich Shirts, die auf Mädchen ausgelegt sind, mit deren Aussehen beschäftigen und wie süß oder hübsch sie aussehen. Natürlich hört es mit dem Kindesalter nicht auf.
Wenn ein Mann oder eine Frau im Restaurant sitzen und ein Steak und einen Salat bestellen, wird dem Mann eher das Steak, der Frau eher der Salat serviert. Bier geht an den Mann, Cola light eher an die Frau. Diese Beispiele beziehen sich auf Essen aber Sexismus ist überall. Ehrgeizige Männer gelten als zielstrebig, ambitionierte Frauen als zickig. Emotionale Frauen als einfühlsam, sensible Männer als schwach. Dies führt uns zum nächsten Punkt.
Toxic masculinity
“toxic masculinity,” a (heterosexual) masculinity that is threatened by anything associated with femininity (whether that is pink yogurt or emotions) – Sarah Banet-Weiser and Kate M. Miltner.
Toxic masculinity oder auch toxische Männlichkeit bezeichnet ein Rollenbild, „das Aggressivität zur Präsentation der eigenen Männlichkeit nahelegt und eine Unterordnung von Frauen befürwortet“. Grundidee dahinter ist, dass wir bei männlichen Kindern bestimmte Verhaltensweisen fördern. Deshalb dürfen Jungs, wie oben bereits erwähnt, wild sein und müssen sich nicht an die gleichen Regeln halten wie Mädchen (‘boys will be boys’). Nach dem Motto ‘’Indianer kennen keinen Schmerz‘’ wird Jungs beigebracht, Gefühle und das Ausdrücken dieser sei etwas Schlechtes oder ein Zeichen von Schwäche.
Wie sich das auf die Psyche des Mannes auswirken kann, beschreibt Frederik Müller im Artikel ‘’Hä, was heißt Toxic Masculinity?’’ :
‘’Wer toxische Männlichkeit erlernt hat, lebt mit einem Mangel. Diese Personen haben meist kein gutes Verhältnis zu ihrem Körper, können ihre eigenen Grenzen ebenso wenig respektieren wie die anderer und haben Schwierigkeiten damit, Gefühle zuzulassen, zu zeigen und zu verarbeiten. Konsequenzen hieraus sehen wir etwa im schlechten Umgang heterosexueller cis Männer mit dem eigenen Körper, ihrer Nachlässigkeit gegenüber der eigenen Gesundheit und ihrer Tendenz zu Depressionen, Sucht und Suizid.‘’
Natürlich ist dies nur eine Meinung. Allerdings ist es wissenschaftlich belegt, dass die Suizidrate bei Männern drei Mal so hoch ist wie bei Frauen. Es ist nicht so, dass Männer nicht die gleichen Probleme haben wie Frauen – doch häufig wissen sie entweder gar nicht, dass sie unter Stress oder psychischen Erkrankungen leiden oder sie trauen sich eben nicht, diese zuzugeben und sich Hilfe zu suchen. Denn wie wir bereits gelernt haben, Indianer kennen keinen Schmerz. 🤡 Folgendes Zitat bringt dieses Thema sehr gut auf den Punkt:
‘’The first act of violence that patriarchy demands of males is not violence toward women. Instead patriarchy demands of all males that they engage in acts of psychic self-mutilation, that they kill off the emotional parts of themselves. If an individual is not successful in emotionally crippling himself, he can count on patriarchal men to enact rituals of power that will assault his self-esteem.’’
– bell hooks, The Will To Change
Anzeichen von toxischer Männlichkeit können sein:
- übermäßige Aggressivität
- Unterdrückung von Emotionen
- fehlende Empathie
- gewalttätiges Verhalten
- Kontroll- und Machtausübung, vor allem gegenüber Frauen
- Misogynie (‘’Frauenhass’’) und Sexismus
- ausgeprägtes Konkurrenz– und Leistungsdenken
- höhere Risikobereitschaft
- Isolation
- Suchtverhalten
- sexuelle Übergriffigkeit
Wie wir also sehen ist toxic masculinity nicht nur sehr gefährlich für den Mann, sondern auch für Frauen, Kinder und die Gesellschaft. Aber nicht nur Männer, sondern auch Frauen ‘’zeugen’’ und fördern mitunter ein toxisches Verständnis von Männlichkeit. Wie wir also sehen: Das Phänomen ist komplex und mit ‘’traditionellen’’ Geschlecherrollen so fest verankert, dass es sich kaum eliminieren lässt.
Wie Feminismus helfen kann
Feminist:innen sehen „Geschlecht“ und „Männlichkeit“ als ein soziales Konstrukt. Außerdem bietet der Feminismus einige Lösungsansätze für das Kernproblem unserer Gesellschaft, die jeden Tag Druck auf Männer und Frauen ausübt, ihren weiblichen und männlichen Rollen gerecht zu werden. Beim Feminismus geht es nicht um einen Kampf zwischen den Geschlechtern, sondern darum, allen Geschlechtern zu mehr Freiheit zu verhelfen.
Dank der Frauenbewegung und dadurch, dass Frauen inzwischen auch Zugang zur Berufswelt haben, ist die Verantwortung des Mannes als Alleinversorger gesunken. Papa bleibt zu Hause mit den Kindern, während Mama Vollzeit arbeitet? Heutzutage für die meisten ganz normal.
Natürlich ist es nicht einfach veraltete Rollenmuster aufzubrechen. Umso wichtiger ist es, dass wir alle in unseren Familien und unserem unmittelbaren Umfeld ein Bewusstsein dafür entwickeln und Männer, Frauen, und nicht-binäre* Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn wir uns ein vielseitigeres Frauenideal wünschen, muss uns auch an einem vielseitigeren Männerideal gelegen sein. Das heißt unter anderem, Männern das Gefühl zu geben, ihre Gefühle oder Schwächen frei äußern zu können, ohne Angst dafür ausgelacht oder oder zurückgewiesen zu werden.
Also, wenn du das nächste Mal “toxische Maskulinität” erlebst, sei es am Arbeitsplatz oder beim Abendessen mit den Großeltern, sprich es an! Debattiere stereotype Geschlechterrollen mit deinen Freunden:innen, der Familie, mit Kolleg:innen, mit dem Partner und vor allem mit deinen Kindern. Außerdem solltest du regelmäßig deine Verhaltensweisen und Denkmuster hinterfragen. Gerade Elternteil geworden und du möchtest sofort wieder ins Büro? Kein Problem. Aber überlege dir vorher gut, ob du das möchtest oder du denkst, es würde von dir erwartet. Denn nur so kann ein Umdenken passieren und Rollenbilder neu gedacht werden.
Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, empfehlen wir folgende Artikel & Podcast Episode: