Warum gender equality alle etwas angeht, nicht nur Frauen

Schon seit über 100 Jahren findet am 8. März der internationale Weltfrauentag statt. Erstmals entstand dieser Tag als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Doch obwohl sich seit dieser Zeit schon sehr viel getan hat, feiern wir auch heute noch den Weltfrauentag und kämpfen weiterhin um die Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung von Frauen im Privat- sowie Berufsleben. Denn wir brauchen Feminismus. Und wenn wir wir sagen, dann meinen wir WIR: Jeder Mensch, ganz egal mit welchem Geschlecht sich dieser identifiziert. Heute sprechen wir demnach darüber, wieso Feminismus – oder auch gender equality – uns ALLE etwas angeht, und keine ‘’Frauenarbeit’’ ist. 


Feminismus & das Patriarchat 

Fangen wir mal mit den Grundlagen an. Feminismus polarisiert. Dabei sollte er das nicht. Wer an die Gleichberechtigung aller Menschen glaubt, muss auch Feminismus gut finden, mehr verlangt dieser im Grunde gar nicht. Allerdings leben wir in einer patriarchalen Gesellschaft, in der Männer und die damit verbundene ‘’Männlichkeit’’ als menschliche Norm gelten, gerade wenn es um Machtpositionen geht. Alles was mit Männern und ‘’Männlichkeit’’ assoziiert wird, wird meist höher bewertet, als das, was mit Frauen oder ‘’Weiblichkeit’’ assoziiert wird. Der Feminismus geht dem Ziel nach, uns alle von dem Patriarchat zu befreien, sodass wir uns als Mensch frei entwickeln können. 

Insgesamt könnten wir sicher Tausende von Gründen dafür aufzählen, warum Frau Feminismus braucht – vom Gender Pay Gap bis hin zur Gendermedizin. Heute geht es allerdings darum, weshalb wir oder auch Man(n) Feminismus braucht. 

Frauen sollen so – Männer sollen so 

In unserer Gesellschaft wird meist schon vor unserer Geburt für uns entschieden. ‘’Es wird ein Junge!’’ oder ‘’Wir bekommen ein Mädchen!’’ und schon werden fleißig blaue Strampler, auch Spielzeugautos oder rosa Kleidchen und Puppen gekauft. Vom Kleinkindalter bis hin zur Rente wird so gut wie alles im Leben gegendert und damit auch gleichzeitig bewertet. Von Jungs dürfen wild und laut sein ( toxic masculinity – mehr dazu aber später ), während Mädchen sich zu benehmen haben. Gleichzeitig wird von Jungen aber auch erwartet stark und mutig zu bleiben. Gefühle zu zeigen, zu weinen oder auch emphatisch zu sein wird schnell als schwach abgestempelt.

Du weinst wie ein kleines Mädchen. 

Du rennst wie ein Mädchen. 

Du wirfst wie ein Mädchen. 

Kommen dir diese Sätze auch bekannt vor? Hast du jemals einen dieser Sätze als Kompliment empfunden? Ich auch nicht.

Hier ein paar Beispiele dafür, wie wir unseren Kindern bereits beibringen, sich den Gender Stereotypen und Sexismus anzupassen: 

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Die für Jungen gedachten Shirts setzen Männer direkt in Machtpositionen mit Sprüchen wie ‘’future boss’’ oder ‘’lock up your daughters’’ und sprechen meistens die Fähigkeiten oder Chancen von Männern in unserer Welt an. Ganz schön viel Druck, oder? Wohingegen sich Shirts, die auf Mädchen ausgelegt sind, mit deren Aussehen beschäftigen und wie süß oder hübsch sie aussehen. Natürlich hört es mit dem Kindesalter nicht auf.

Wenn ein Mann oder eine Frau im Restaurant sitzen und ein Steak und einen Salat bestellen, wird dem Mann eher das Steak, der Frau eher der Salat serviert. Bier geht an den Mann, Cola light eher an die Frau. Diese Beispiele beziehen sich auf Essen aber Sexismus ist überall. Ehrgeizige Männer gelten als zielstrebig, ambitionierte Frauen als zickig. Emotionale Frauen als einfühlsam, sensible Männer als schwach. Dies führt uns zum nächsten Punkt. 


Toxic masculinity

“toxic masculinity,” a (heterosexual) masculinity that is threatened by anything associated with femininity (whether that is pink yogurt or emotions) – Sarah Banet-Weiser and Kate M. Miltner.

Toxic masculinity oder auch toxische Männlichkeit bezeichnet ein Rollenbild, „das Aggressivität zur Präsentation der eigenen Männlichkeit nahelegt und eine Unterordnung von Frauen befürwortet“. Grundidee dahinter ist, dass wir bei männlichen Kindern bestimmte Verhaltensweisen fördern. Deshalb dürfen Jungs, wie oben bereits erwähnt, wild sein und müssen sich nicht an die gleichen Regeln halten wie Mädchen (‘boys will be boys’). Nach dem Motto ‘’Indianer kennen keinen Schmerz‘’ wird Jungs beigebracht, Gefühle und das Ausdrücken dieser sei etwas Schlechtes oder ein Zeichen von Schwäche.

Wie sich das auf die Psyche des Mannes auswirken kann, beschreibt Frederik Müller im Artikel ‘’Hä, was heißt Toxic Masculinity?’’ :

‘’Wer toxische Männlichkeit erlernt hat, lebt mit einem Mangel. Diese Personen haben meist kein gutes Verhältnis zu ihrem Körper, können ihre eigenen Grenzen ebenso wenig respektieren wie die anderer und haben Schwierigkeiten damit, Gefühle zuzulassen, zu zeigen und zu verarbeiten. Konsequenzen hieraus sehen wir etwa im schlechten Umgang heterosexueller cis Männer mit dem eigenen Körper, ihrer Nachlässigkeit gegenüber der eigenen Gesundheit und ihrer Tendenz zu Depressionen, Sucht und Suizid.‘’

Natürlich ist dies nur eine Meinung. Allerdings ist es wissenschaftlich belegt, dass die Suizidrate bei Männern drei Mal so hoch ist wie bei Frauen. Es ist nicht so, dass Männer nicht die gleichen Probleme haben wie Frauen – doch häufig wissen sie entweder gar nicht, dass sie unter Stress oder psychischen Erkrankungen leiden oder sie trauen sich eben nicht, diese zuzugeben und sich Hilfe zu suchen. Denn wie wir bereits gelernt haben, Indianer kennen keinen Schmerz. 🤡 Folgendes Zitat bringt dieses Thema sehr gut auf den Punkt:

‘’The first act of violence that patriarchy demands of males is not violence toward women. Instead patriarchy demands of all males that they engage in acts of psychic self-mutilation, that they kill off the emotional parts of themselves. If an individual is not successful in emotionally crippling himself, he can count on patriarchal men to enact rituals of power that will assault his self-esteem.’’ 

– bell hooks, The Will To Change


Anzeichen von toxischer Männlichkeit können sein:

  • übermäßige Aggressivität 
  • Unterdrückung von Emotionen
  • fehlende Empathie
  • gewalttätiges Verhalten
  • Kontroll- und Machtausübung, vor allem gegenüber Frauen
  • Misogynie (‘’Frauenhass’’) und Sexismus
  • ausgeprägtes Konkurrenz– und Leistungsdenken
  • höhere Risikobereitschaft
  • Isolation
  • Suchtverhalten
  • sexuelle Übergriffigkeit

Wie wir also sehen ist toxic masculinity nicht nur sehr gefährlich für den Mann, sondern auch für Frauen, Kinder und die Gesellschaft. Aber nicht nur Männer, sondern auch Frauen ‘’zeugen’’ und fördern mitunter ein toxisches Verständnis von Männlichkeit. Wie wir also sehen: Das Phänomen ist komplex und mit ‘’traditionellen’’ Geschlecherrollen so fest verankert, dass es sich kaum eliminieren lässt. 


Wie Feminismus helfen kann

Feminist:innen sehen „Geschlecht“ und „Männlichkeit“ als ein soziales Konstrukt. Außerdem bietet der Feminismus einige Lösungsansätze für das Kernproblem unserer Gesellschaft, die jeden Tag Druck auf Männer und Frauen ausübt, ihren weiblichen und männlichen Rollen gerecht zu werden. Beim Feminismus geht es nicht um einen Kampf zwischen den Geschlechtern, sondern darum, allen Geschlechtern zu mehr Freiheit zu verhelfen. 

Dank der Frauenbewegung und dadurch, dass Frauen inzwischen auch Zugang zur Berufswelt haben, ist die Verantwortung des Mannes als Alleinversorger gesunken. Papa bleibt zu Hause mit den Kindern, während Mama Vollzeit arbeitet? Heutzutage für die meisten ganz normal.

Natürlich ist es nicht einfach veraltete Rollenmuster aufzubrechen. Umso wichtiger ist es, dass wir alle in unseren Familien und unserem unmittelbaren Umfeld ein Bewusstsein dafür entwickeln und Männer, Frauen, und nicht-binäre* Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn wir uns ein vielseitigeres Frauenideal wünschen, muss uns auch an einem vielseitigeren Männerideal gelegen sein. Das heißt unter anderem, Männern das Gefühl zu geben, ihre Gefühle oder Schwächen frei äußern zu können, ohne Angst dafür ausgelacht oder oder zurückgewiesen zu werden.

Also, wenn du das nächste Mal “toxische Maskulinität” erlebst, sei es am Arbeitsplatz oder beim Abendessen mit den Großeltern, sprich es an! Debattiere stereotype Geschlechterrollen mit deinen Freunden:innen, der Familie, mit Kolleg:innen, mit dem Partner und vor allem mit deinen Kindern. Außerdem solltest du regelmäßig deine Verhaltensweisen und Denkmuster hinterfragen. Gerade Elternteil geworden und du möchtest sofort wieder ins Büro? Kein Problem. Aber überlege dir vorher gut, ob du das möchtest oder du denkst, es würde von dir erwartet. Denn nur so kann ein Umdenken passieren und Rollenbilder neu gedacht werden.

Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, empfehlen wir folgende Artikel & Podcast Episode:


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