Hustle-Culture – Was daran toxic ist und was du dagegen tun kannst


Kennst du das Gefühl nicht schlafen zu können, weil du sicherlich etwas Produktiveres machen könntest? Oder fühlst du dich auch manchmal schlecht, weil du Pausen machst, faulenzt oder einfach nicht so hart arbeitest wie andere? Dann bist du eventuell schon der sogenannten “Hustle-Culture” oder auch “Toxic-Productivity” verfallen. 

Wir alle kennen Sprüche wie „Du musst einfach nur härter arbeiten, dann schaffst du alles!“, “Go hard or go home” oder „Hustle 24/7“. Vielleicht siehst du auch immer wieder Zitate von Millionär:innen, die sagen, um erfolgreich zu sein, musst du auch dann arbeiten, wenn andere schlafen. Diese Haltung wird in Hustle-Cultures glorifiziert und hat es sogar geschafft, fester Bestandteil vieler Unternehmenskulturen zu werden. Insbesondere Start-ups sind davon betroffen.

Was bedeutet Hustle-Culture überhaupt?

Der Begriff ‘’Hustle-Culture’’ stammt aus dem US-amerikanischen Raum und ist auch unter den Synonymen “burnout culture”, “workaholism” oder “toxic productivity” bekannt. Er bezeichnet eine Haltung, oder auch Kultur, in der über die körperliche Belastungsgrenze hinaus gearbeitet wird. Ambitionen und Ziele, wie Geld, Reichtum, Anerkennung und Erfolg, werden dabei ganz eindeutig über die eigene Gesundheit gestellt.

Dieses Phänomen zeigt sich zwar sehr häufig bei Privatpersonen, ist aber auch in Unternehmen, vor allem in der Start-up Szene oft zu beobachten. Der Druck mit dem Kolleg:innen mithalten zu können, Vorgesetzte zu beeindrucken oder mehr Überstunden zu leisten als andere, kann schnell dazu führen, dass Mitarbeitende diesem toxischen Bild von Produktivität verfallen, ohne es selbst zu wollen oder überhaupt eigene Ziele zu verfolgen. Doch wie erkennst du, dass es in deinem Unternehmen eine Hustle-Culture gibt? Folgende “red flags” könnten darauf hindeuten: 


🚩 Du leistest ständig Überstunden und diese werden von dir erwartet

🚩 Du arbeitest auch am Wochenende und anderen freien Tagen

🚩 Du bist im Urlaub ständig erreichbar und beantwortest auf Mails & Co

🚩 Du führst einen oder gar mehrere Nebenjobs aus (sogenannte ‘’side hustles’’)

🚩 Du leidest unter andauerndem Schlafmangel und Müdigkeit

🚩 Du versuchst dich regelmäßig mit übermäßigem Koffeinkonsum oder Drogen aufzuputschen, um wach zu bleiben oder noch leistungsfähiger zu sein

🚩 Du vernachlässigst deine privaten Beziehungen und andere sozialen Kontakte

🚩 Du redest deine Bedürfnisse Ruhe und Entspannung schlecht und spielst diese herunter (‘’Schlafen kann ich wenn ich tot bin’’)


Und was ist so schlimm daran?

Eigentlich liegt dem Ganzen ein recht positiver Gedanke zugrunde, nämlich, dass man mit viel Arbeit und Ehrgeiz so ziemlich alles schaffen kann. Allerdings geht diese extreme Anstrengung nicht lange gut und zieht gefährliche Konsequenzen nach sich. Die World Health Organisation belegt, dass zu viel Arbeit tatsächlich töten kann: 55 Stunden pro Woche zu arbeiten, tötet jährlich etwa 745.000 Menschen.

Der Bericht stellt auch fest, dass sich bei zu vielen Überstunden das Schlaganfallrisiko um 35 Prozent und die Gefahr für Herzerkrankungen um 17 Prozent erhöhen kann. Die Work Life Balance leidet enorm und der Verzicht auf Pausen und sozialen Ausgleich führen außerdem zu:

  • chronischem Stress & Burnout
  • Depressionen 
  • Angstzuständen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Wie du der Hustle-Culture entgegen wirkst

Das Problem der Hustle-Culture muss gestoppt werden. Aber was kannst du tun? Bist du Führungskraft, so kannst du dafür sorgen, dass sich in deinem Unternehmen keine Hustle-Culture bildet oder ihr entgegenwirken, sollte sie sich bereits gebildet haben. 

1 Mindset

Bevor du dich an deine Mitarbeitenden wendest, musst du erst mal an dir selbst und deinem Mindset arbeiten. Kann es sein, dass du als Führungskraft die Hustle-Culture vorlebst? Reflektiere, wie du von dieser Kultur beeinflusst wirst und was du in deiner Position tun kannst, um das nicht mehr zuzulassen. 

2 Company Culture

Überlege dir außerdem, welche Kultur du stattdessen in deinem Unternehmen etablieren möchtest. Alte Gewohnheiten lassen sich nur schwer ‘’ablegen’’. Versuche sie stattdessen durch Neue zu ersetzen und führe neue Prozesse und Rituale im Sinne deiner neuen Kultur ein.

3 Grenzen setzen

Lerne Grenzen zu setzen und lege dies auch deinen Mitarbeitenden nahe. Mache ihnen deutlich, dass sie bspw. nach ihrer Arbeitszeit nicht mehr auf Nachrichten antworten sollen, im Urlaub wirklich Urlaub machen sollen und wie wichtig Pausen sind. Taten sprechen hier mehr als nur Worte: Lebe diese Grenzen auch selbst vor und zeige deinem Team, dass es normal und sogar gewünscht ist, Grenzen zu setzen.

4 Keine Schuldgefühle

Verinnerliche dir selbst und vermittle deinem Team, dass es unmöglich ist immer 120 Prozent zu geben. Höre daher stets auf deinen Körper und mache eine kurze Pause, wenn er dir signalisiert, dass du dich überanstrengst. Das Beste daran? Pausen bedeuten keineswegs, dass du weniger produktiv bist! Das Gegenteil ist der Fall, laut Studien  erhöhen regelmäßige Pausen die Produktivität, steigern das Wohlbefinden und verhindern Unfälle und Fehler.

5 Gegenseitige Unterstützung

Halte vor allem immer die Augen offen, was deine, aber auch die Arbeitszeiten deiner Mitarbeitenden, angeht. Es ist einfach, schnell wieder in den Hustle Mode zu rutschen, daher ist es wichtig auch aufeinander Acht zu geben, Hilfe anzubieten und sich einander immer wieder daran zu erinnern, auf den eigenen Körper zu achten.


Wie du siehst, ist das Hustle-Culture Phänomen sehr gefährlich und weit verbreitet. Allerdings gibt es dafür auch recht ‘’einfache’’ und offensichtliche Methoden dem ganzen entgegenzuwirken und stattdessen eine positive und vor allem gesunde Unternehmenskultur aufzubauen. 


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Du hast noch Fragen zu diesem Thema oder wünschst dir Unterstützung in Sachen Organisationsdesign oder Unternehmenskultur? Dann nimm doch Kontakt zu uns auf und nutze die hppyppl Power für dich und dein Team!



18 September 2022 Allgemein Chiara Guerriero