Gewaltfreie Kommunikation im Job: Mit Empathie und Wertschätzung zu einer besseren Kommunikationskultur

GEWALTFREIE KOMMUNIKATION - MIT EMPATHIE UND WERTSCHÄTZUNG ZU EINER BESSEREN KOMMUNIKATIONSKULTUR

Mit unseren Kolleginnen und Kollegen verbringen wir einen großen Teil unserer wertvollen (Arbeits-)zeit und so lassen sich auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte am Arbeitsplatz nicht immer vermeiden. Gerade in Organisationen, in denen Menschen mit vielen verschiedenen Rollen, Hintergründen und (Werte-)vorstellungen zusammen arbeiten, ist es unvermeidlich, dass Konflikte entstehen. Eine Konfliktkostenstudie (KPMG, 2009) hat gezeigt,  dass Konfliktedurchschnittlich 10-15% unserer Arbeitszeit einnehmen! Das zerrt nicht nur an den Nerven jedes/jeder Einzelnen und hindert Mitarbeitende daran, in ihrer wertvollen Zeit produktiv zu sein, sondern kann für Unternehmen zudem auch schnell sehr kostenintensiv werden.

Konflikte und Auseinandersetzungen unter Kolleg:innen gehören also zum Arbeitsalltag dazu und haben, wenn dabei konstruktiv diskutiert wird, im Kern auch immer etwas Gutes. Durch die Herausforderung eines Konflikts entwickeln wir uns weiter. Konflikte können Voraussetzung für kreative Lösungen und intelligente Kompromisse sein. Doch Konflikte im Arbeitsalltag können auch anders aussehen und dazu führen, dass nicht mehr konstruktiv miteinander gearbeitet wird und Aufgaben nicht mehr erwartungsgemäß ausgeführt werden.

Diese Problematik in der Konfliktkommunikation hat der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg bereits in den 1960er Jahren erkannt und entwickelte daraufhin das Konzept der “Gewaltfreien Kommunikation”. Ursprünglich mit der Vision, einen friedvolleren Rückgang von Diskriminierungen in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu erreichen, war sein übergeordnetes Ziel, Menschen zu einem empathischen und wertschätzenden Umgang miteinander zu inspirieren. Rosenberg sieht die Ursache vieler Konflikte darin, dass in Auseinandersetzungen Bedürfnisse falsch kommuniziert werden. Die Schuld gibt er dabei auch unserer wertenden und verurteilenden Sprache.

Aber was genau ist Gewaltfreie Kommunikation nun eigentlich?

Die Gewaltfreie Kommunikation (kurz: GFK) kann als Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess, als innere Haltung und ganz allgemein als Methode mit Fokus auf bestimmte “Kommunikationsschlüssel” (Die vier Schritte) verstanden werden. 
Mit Gewalt ist im Sinne der GFK in keinem Fall die rein körperliche Gewalt gemeint, sondern versteht sich aus Sicht Rosenbergs vor allem als der Versuch, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen ohne dabei Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer zu nehmen. Die GFK möchte dieser Problematik entgegenwirken und eine gelingende Kommunikation ermöglichen. Konflikte sollen im Sinne der GFK auf eine höhere Ebene transformiert werden um Lösungen zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen. Kurz gesagt: Beziehungen sollten gefördert, Verbindungen vertieft und Kooperationsbereitschaft gestärkt werden.

„Was ich in meinem Leben will,
ist Einfühlsamkeit, ein Fluss
zwischen mir und anderen, der
auf gegenseitigem Geben von
Herzen beruht“

Marshall Rosenberg

Die “vier Schritte” der Gewaltfreien Kommunikation

Die GFK besteht aus vier Schritten, den sogenannten “Kommunikationsschlüsseln”, die helfen sollen, auf Augenhöhe, wertschätzend und empathisch miteinander zu kommunizieren, auch in Konfliktsituationen!

#1 Beobachtung

An erster Stelle steht die Beobachtung. Hier geht es darum, mit einer Art “neutralem Kamerablick” zu beschreiben wie ich die Situation wahrnehme. Wichtig ist es, dass in diesem ersten Schritt noch keine Bewertungen, Urteile oder Interpretationen über Situationen, Personen oder Intentionen anderer vorgenommen werden.
Ziel der Beobachtung ist es, eine gemeinsame Gesprächsgrundlage mit dem/ der Gesprächspartner/in zu schaffen, die an Fakten orientiert ist.

#2 Gefühl

Unsere Gefühle sind eine Art Meldesystem für erfüllte bzw. unerfüllte Bedürfnisse. In diesem zweiten Schritt geht es darum, dem Gegenüber zu berichten, was ich in der Situation gerade fühle. Indem ich meine Gefühle meinem Gegenüber schildere und mich öffne, schaffe ich Vertrauen und Sicherheit.

#3 Bedürfnis

Unsere Bedürfnisse sind die Motivation unseres Handelns. Im dritten Schritte berichte ich meinem Gegenüber daher, was ich mir für wünsche und mir wichtig ist. Indem ich meine Bedürfnisse mitteile, hoffe ich, dass mein/e Gesprächspartner/in ein Verständnis für meine Beweggründe entwickeln kann.

#4 Bitte

Der letzte der vier Kommunikationsschlüssel der GFK ist die Bitte. Eine Bitte gibt meinem Gegenüber Klarheit darüber, wie meine Bedürfnisse konkret erfüllt werden können. Bitten sollten ähnlich den “SMART-Zielen” konkret und spezifisch, machbar und zeitlich begrenzt sowie positiv formuliert werden.


Warum ist die GFK gerade für den Arbeits- und Organisationskontext relevant?

Häufig bergen mangelnde Kommunikation und ein fehlender Informationsfluss das größte Konfliktpotenzial in Unternehmen. Rosenberg sah schon früh unsere wertende und verurteilende Kommunikation als großes Problem in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation. 
Die GFK als Kommunikationsschlüssel bietet für Unternehmen ein Hilfsmittel, um Mitarbeitende zu sensibilisieren und den Umgang miteinander so wertschätzend wie möglich zu gestalten.

Durch die Einführung der GFK in die Kommunikationskultur in Unternehmen, kann der berufliche Alltag und das Wohlbefinden jedes einzelnen Teammitgliedes verbessert werden. Die GFK hilft auch dabei, Feedbackgespräche konstruktiver und wertschätzender zu gestalten. Für jedes einzelne Teammitglied bedeutet die Anwendung der GFK, sich aktiv für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen, diese aber gleichzeitig auch dem Gegenüber zuzugestehen.

Und was bedeutet das nun für den Arbeitsalltag?

Abschließend ist zu sagen, dass das Konzept der GFK im (Arbeits-)alltag nicht zu starr angewendet werden muss. Die vier Schritte der GFK dienen als Stütze bei der Gestaltung einer wertschätzenden Kommunikation, müssen aber in keinem Fall in einer starren Reihenfolge “abgearbeitet” werden. Die GFK sollte auch nicht als “Sprachpolizei” verstanden werden. Es geht nicht darum, dass Gesagtes plötzlich “richtig” oder “falsch” ist, sondern vielmehr darum, zur Selbstreflexion und zur Empathie innerhalb von Gesprächen anzuregen. 

Die GFK kann vielmehr als ein sich immer weiter entwickelnder Prozess verstanden werden. Ein wichtiges Ziel der GFK ist bereits dann erreicht, wenn jedes Teammitglied dafür sensibilisiert ist, dass hinter Vorwürfen und Angriffen in der Regel ganz bestimmte Gefühle und Bedürfnisse stehen.

Die Implementierung der GFK bietet eine tolle Unterstützung in der täglichen Kommunikation, wenn gleich nicht erwartet werden sollte, dass plötzlich von heute auf morgen alle friedlich miteinander kommunizieren. Auch wenn die GFK in der Kommunikationskultur verankert ist, wird es einmal unter Kolleg:innen krachen. Die GFK bietet dann allerdings Orientierung, sich anschließend auf eine friedvolle Lösung zu einigen, bei der die Bedürfnisse jedes/ jeder Einzelnen berücksichtigt werden.

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20 August 2021 Allgemein hppyppl