Dynamic Facilitation: Die Moderation mit dem Flow


Wenn es in einem Team mal kriselt, Konflikte und Probleme das Miteinander beherrschen und die Emotionen hoch kochen, kommen die üblichen starren Moderationstechniken schnell an ihre Grenzen. Wir möchten euch deshalb heute kurz und knackig die „Dynamic Facilitation“ vorstellen, eine Methode zur Entwicklung kreativer Problemlösungen, die wunderbar bei konfliktbehafteten Themen und schwierigen Situationen eingesetzt werden kann.


Was ist Dynamic Facilitation?

Dynamic Facilitation bedeutet so viel wie „dynamische Unterstützung“ von Gruppenprozessen und ist eine Moderationsmethode, die in den 80ern von Jim Rough entwickelt wurde. Der:die Moderator:in unterstützt dabei einen Prozess, der zu kreativen, manchmal auch unerwarteten Lösungen führt, mit denen sich alle Beteiligten identifizieren können. Dadurch sind die Lösungen aber auch besonders transformativ und nachhaltig, denn sie entstehen aus der intrinsischen Motivation der Beteiligten heraus. Dabei kann es auch mal chaotisch werden, das Thema oder das Problem kann sich im Laufe des Gesprächs verändern und es kann auch mal hitzig werden. Doch Emotionen werden bei der Dynamic Facilitation als Antreiber betrachtet und daher bewusst zugelassen.


Und wie läuft das Ganze ab?

Konventionell moderierte Meetings laufen meistens klar strukturiert ab. Themen werden in kleinere Einheiten geteilt und nacheinander abgearbeitet. Bei der Dynamic Facilitation gibt es keine feste Struktur. Sie orientiert sich an den natürlichen Vorgängen im menschlichen Gehirn. Denken ist impulsiv, nichtlinear und chaotisch. Ideen entstehen spontan und richtet sich nicht nach vorgegebenen Abläufen. Die Dynamic Facilitation lässt diese Spontaneität zu und akzeptiert das Chaos. Sie verhindert damit auch Frustrationen, denn Gedanken und Ideen müssen nicht aufgeschoben werden, wodurch sie dann vielleicht auch noch vergessen werden.


Choice Creating – Wahlmöglichkeiten schaffen

Das Thema wird also eröffnet, zum Beispiel durch eine Frage, und dann gehts richtig los. Alles, was von den Teilnehmenden zum Thema gedacht wird, kann direkt geäußert werden. Während des gesamten Prozesses werden die Äußerungen durch den:die Moderator:in auf vier Listen notiert und geordnet nach:

  • Probleme & Fragen
  • Lösungen & Ideen
  • Bedenken & Einwände
  • Informationen & Sichtweisen

Dabei geht kein Gedanke verloren und Emotionen, Werte und Wünsche der Teilnehmer:innen werden wahrgenommen und berücksichtigt.


Die vier Listen

Auf die Liste der Probleme kommen alle Aussagen, die das Problem oder die Herausforderung beschreiben, z.B. Fragen, wie „Wie können wir unser Produkt verbessern“ oder Aussagen, wie „Letztes Jahr hat die Zusammenarbeit im Team besser funktioniert“. Dabei kann es passieren, dass sich von einem Problem ein übergeordnetes anderes Problem ableiten lässt, dass die Aussagen generell oder spezifisch sind, dass die Herausforderungen unlösbar erscheinen oder unterschiedlich betrachtet werden.

Zu den Lösungen zählt alles, was sich auf die Lösung der Probleme bezieht, unabhängig davon, auf welches Problem konkret es sich bezieht.

Wenn jemand dabei aber zum Beispiel anmerkt, dass eine bestimmte Lösung nicht möglich sei, aus den und den Gründen, dann wird das unter Bedenken und Einwänden notiert. Der:die Moderator:in fragt dann nach, was genau die Befürchtungen diesbezüglich sind und nimmt somit auch die Bedenken und damit verbundene Emotionen ernst.

Auf der Liste der Informationen wird alles gesammelt, was sonst noch genannt wird. Seien es Gefühle, Daten und Fakten oder Beobachtungen. Sie dienen dazu, sich ein besseres Gesamtbild machen zu können. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Aussagen wahr oder falsch sind.


Und was dann?

Nach einiger Zeit lässt die Diskussion langsam nach und es wird ruhiger. Auch Emotionen beruhigen sich wieder, wenn die Teilnehmenden das Gefühl haben, gehört und verstanden zu werden. Es scheint nun alles gesagt und wahrgenommen zu sein. Dann kommt die Stille. Die:der Moderator:in tut erst mal nichts. Und dann kommen die ersten Ideen ganz von selbst. Die Teilnehmenden verknüpfen alle gesammelten Informationen und im besten Fall stellt sich plötzlich ein Aha!-Effekt ein. Es entwickelt sich eine Lösung oder Einsicht, die allen Beteiligten einleuchtend erscheint.

Stellt sich diese Einsicht nicht ein, kann die:der Moderator:in unterstützen, indem sie:er die Notizen wiederholt, zusammenfasst oder auch eigene Eindrücke des Geschehens beschreibt. Dabei sollte sie:er aber darauf achten, keine eigenen Beiträge oder Lösungsvorschläge zu machen. Wenn sich auch dann keine Lösungen ergeben, kann auch ein Abbruch eine Möglichkeit sein. Manchmal müssen Gedanken einfach erst mal ein bisschen „marinieren“, bis sich daraus kreative Lösungen entwickeln. Dann kann ein zweiter Termin helfen, um das Thema erneut aufzugreifen.


Kurz zusammengefasst:

  • hilft bei komplexen und emotionalen Problemen, wenn starre Methoden nicht weiter kommen
  • ermöglicht kreative Lösungsansätze, die für alle Beteiligten einleuchtend sind
  • schafft nachhaltige Lösungen und Transformationen
  • fördert die Beziehungen und das Vertrauen der Teilnehmenden untereinander
  • stärkt die Selbstwirksamkeit der Beteiligten


Du hast noch Fragen zu diesem Thema oder wünschst Dir Unterstützung bei kritischen Themen in deinem Team? Dann nimm doch Kontakt zu uns auf und wir unterstützen Dich dabei, das Beste aus Deiner Organisation zu holen!



23 August 2021 Allgemein Ronja Kotzyba